Die gleissende Welt” von SIRI HUSTVEDT

Vielleicht ist es ein großes Glück für mich, Siri Hustvedt mit dem Buch „Die gleissende Welt“ entdeckt zu haben. Womöglich ist es ein Pech, sollten meine Erwartungen nun derart hoch angelegt sein, dass bisher erschienene Bücher der Autorin, mich enttäuschen könnten. Mit diesem Gedanken bin ich inmitten eines Themas des neuen Romans, nämlich der Wahrnehmung von Kunst bzw. der mit Erwartungen vorgefärbten Wahrnehmung, Betrachtung und Beurteilung von Kunst sowie den männlichen und weiblichen Kunstschaffenden. Weiterlesen

Kurzmitteilung

“Buchhandel statt Freihandel” unter diesem Motto startete der Börsenverein des deutschen Buchhandels eine Unterschriftensammlung zum Erhalt der Kulturvielfalt sowie der intakten Buchhandelslandschaft in Deutschland.

Was ist Preisbindung? Nicht jeder Buchkäufer weiß, dass lieferbare Bücher von Verlagsseiten einen festen Ladenpreis haben. Auch der Internet- und Versandhandel sind davon nicht ausgenommen.

Dank der Buchpreisbindung können kleine Sortimenter konkurrenzfähig bleiben. Damit ist die Preisbindung eine tragende Säule des bisher noch gut funktionierenden Buchhandels in Deutschland.

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klick drauf  Buchhandel statt Freihandel

 

Jetzt gibt es ihn: Den deutschen Buchhandelspreis !

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, hat ihn ins Leben gerufen: Den deutschen Buchhandelspreis. Ein neugeborenes Engagement, ein Wiederbeleben verlorener Aufmerksamkeit, eine glänzende Anstecknadel für ein Jahrhunderte altes, gereiftes Handelsunternehmen, nämlich den inhabergeführten, stationären Buchhandel.

Der Aufschrei gegen die großen OnlineKonkurrenten und vor allem den Einen ist schon lange zu hören, nur so langsam geht den Schreienden die Puste aus. Die immer selben Brülllaute ändern das Machtgefälle nicht. Deswegen sagt Frau Grütters, mit dem Preis solle das Bewusstsein der Buchkäufer geschärft werden. Vielleicht wird das Bewusstsein auch etwas gelenkt, nämlich in eine andere Richtung, weg vom Bildschirm, hin und zurück in die Welt, der tatsächlich zu begegnen ist. Mit Wettbewerb funktioniert so etwas! Wo jemand schneller, weiter und höher rennt oder springt, dort bleibt ein anderer auf der Strecke. Mit dem Wettkampfgedanken lässt sich Aufmerksamkeit heischen. Und was ist mit jenen, die auf der Strecke bleiben werden? Die trainieren für den nächsten Wettkampf oder stecken die Köpfe in den Kultursand. Weiterlesen

Das Verlagshaus J. Frank lud am 22.11.2014 zur Langen Lyriknacht in die Brotfabrik. Vorgestellt wurde die neue Reihe Edition ReVers, in der der unabhängige Berliner Verlag erstmals Lyrik verstorbener Autoren präsentiert.

Die Neu- und teilweise Erstübersetzungen werden durch Illustrationen ergänzt, die die jeweiligen Künstler auf sehr unterschiedliche Weise mit durchaus verschiedenen Zugängen zu Text und Autor gestaltet haben. Für jeden Buchfeinschmecker sollten diese wunderbar gesetzten, zweisprachigen Ausgaben ein absoluter Genuss sein, denn von der Wahl des Papiers, über die Gold-Schwarz-Illustration über viele kleine liebevoll gesetzten Details, bis hin zur rückenoffenen Buchbindung bieten diese Bände der Reihe ein komplettes Buchkunst-Rundum-Paket.

David Vann „Goat Mountain“

Ein Vater lässt den elfjährigen Sohn durch das Fernzielrohr seines Gewehrs auf einen Wilderer schauen. Er will ihm diesen Menschen zeigen, der ohne Erlaubnis auf dem Familienland jagt, der vielleicht den Hirsch schon erledigt hat, den der Sohn dieses Jahr schießen soll, seinen ersten Hirsch, eine erste Beute, die den Sohn, das Kind zum Mann machen wird.

Der Mann hält das geladene Gewehr. Der Sohn schaut durch das Zielrohr, sieht den vermeintlichen Wilderer. Das Kind legt den Finger auf den Abzug. Das Gewehr ist geladen. Und wenn der Finger einmal auf dem Abzug liegt, dann will der Finger auch durchziehen, abdrücken, diesen kleinen Hebel benutzen. Das Kind drückt den Finger, das Gewehr geht los. Der kleine Mann im Zielfernrohr sackt weg. Das Kind hat den Mann mit der Waffe des Vaters erschossen. Weiterlesen

Eigentlich ist ja jeder sein eigener Leser. Also man liest Geschichten anderer. Autoren haben geschrieben, man liest deren Wortwahl, deren Handlungswahl usw usw. Man liest, man betrachtet lesend das Figurenleben, taucht ein in Figurenköpfe und -herzen, man betrachtet distanziert und manchmal beinah allwissend das Geschehen. Man liest in seiner eigenen Tonart, seiner Geschwindigkeit, seinem Gefühls- und Erfahrungsleben. Man ist im Grunde sein eigener Leser, auch dann noch, wenn man die Geschichten anderer liest. 

 

Wie aber gelingt es einem Autoren, das man sich im Kopf einer Romanfigur findet, dass man wie sie leidet oder glücklich ist, dass man sich selbst in den Romanraum stellt und schaut und betrachtet, wie die Welt um einen dort zu sein scheint? Wie gelingt es einem Autoren, dass wir uns für eine Handlung interessieren, die scheinbar nicht von der Stelle kommt, oder rasant ganze Epochen überspringt usw? Weiterlesen

Materie. Schwarz. Weiß. Mit diesen drei Worten lassen sich vielleicht sogar die Grundsäulen des neuen Romans von Markus Orths formulieren. „Alpha & Omega Apokalypse für Anfänger“

Während man mit den vielen Wort- und auch Zeitspielereien spaßig unterhalten wird, bietet der eigentliche Plot, nämlich die Bedrohung der Erde sowie die Rettung der gleichen, Einblicke in das wissenschaftliche, theoretisch und praktisch mögliche Feld der Physik.

Die Welt ist bedroht. Wundersamer und auch unerklärlicher Weise gelingt es Wissenschaftlern ein Schwarzes Loch entstehen zu lassen. Das ist weniger spektakulär, das gelang schon öfter. Nur waren bisher diese Schwarzen Löcher winzig klein und brachen nach kurzer Zeit wieder zusammen (wobei hier Zeit, Zeitwahrnehmung sowie Zeitempfinden ihre Vertraulichkeiten verlieren). Dieses Schwarze Loch aber bleibt. Und es wächst, heißt, es breitet sich aus, heißt, es verschlingt Materie. Unaufhaltsam nimmt das Nichts (man denke nur an die „Unendliche Geschichte“ von Michael Ende) zu, wobei das Nichts nicht Nichts ist, sondern eben ein Schwarzes Loch, in dessen Innern eine Singularität besteht, ein Punkt unendlicher Dichte und Gravitation. Weiterlesen

Kurzmitteilung

Während das neue Buch von Michael Hampe “Die Lehren der Philosophie” sich mit der Frage beschäftigt; was Philosophie möchte, und sich gleichzeitig als Einführung, Kritik und Utopie verstanden sehen will, hänge ich mit meinen Gedanken noch in seinem wunderbaren Buch “Tunguska” fest.

Mit drei Naturwissenschaftlern und einem Philosophen ist man als Leser in einem Schwebezustand des Denkens. Denken über Natur und Technik über Mensch und Tier. Können wir so einfach zwischen Natürlichem und Künstlichem unterscheiden oder sollten wir unseren Denkgewohnheiten auf den Grund gehen und womöglich sogar die eigenen Annahmen, wie die Fremder, überdenken und wiederholt in Frage stellen, und unser Wissen nicht wie einen Anker auswerfen, an den wir uns halten und der uns fest an Ort und Stelle hält? Das Denken über Tunguska lohnt sich!

Kurzmitteilung

Die “Geschichte für einen Augenblick” von Ruth Ozeki

… hat mich für so viele Leseaugenblicke gefangen genommen.

Das von Leistungsdruck geplagte Leben einer jungen japanischen Schülerin, das zarte Lebensband zwischen dieser Schülerin und ihrem lebensmüden Vater, das starke zenbuddhistische Leben der Ur- und Großmutter, das Leben einer kanadischen Schriftstellerin. All diese Leben verbunden durch ein wunderbares Erzählband der Autorin.

Erste Anschwemmungen von Dingen, die der Tsunami mit sich ins Meer gerissen hatte? Kamikazesoldaten. Mobbing unter japanischen Schülern. Versagensängste und unmenschliche Anforderungen. Zen und Buddhismus. Eine japanische Krähe auf einer kanadischen Insel. Ein Tagebuch und das Leben vieler Menschen.

Bald mehr zu diesem Buch, das ich nur empfehlen kann und möchte !

“Vielleicht Esther”

Katja Petrowskaja

„Vielleicht Esther“, vielleicht ein Mensch, zwei Menschen, vielleicht zehn oder hundert, vielleicht tausend, einhunderttausend oder hunderttausende, vielleicht Millionen Menschen.

Von einem Menschen, dessen Namen wir nicht kennen, nur wissen, sie ist die Mutter, Großmutter, Urgroßmutter. Wir erkennen, dass dieser Mensch ein namenloses Schicksal hat; vielleicht oder sogar ganz bestimmt, das Schicksal unzähliger Menschen. Weiterlesen